Dorfgemeinschaften stärken / Wälder und Wasserquellen reaktivieren
Wer erzählt über das Projekt?
Über das Projekt
Ausgangslage:
Das Projekt reagiert auf eine tiefgreifende ökologische und soziale Veränderung in Mittelguinea. In der Region um Roundebowal, Linguere, Dowsaare und Kimpa trocknen Wasserquellen aus, Wälder an Flussufern und Einzugsgebieten sind weitgehend verschwunden, Böden erodieren und landwirtschaftliche Erträge gehen zurück. Gleichzeitig steigen die Belastungen im Alltag: Frauen legen weite Wege zum Wasser zurück, Nutz- und Wildtiere konkurrieren um die verbleibenden Wasserstellen, und viele junge Menschen verlassen die Region.
Projektträger und Organisation:
Die lokale Trägerstruktur ist der politisch unabhängige Dorfverein CRUPED (Citoyens de Roundebowal unis pour la protection de l’environnement et le développement), der 2018 gegründet wurde. In der Schweiz begleitet und unterstützt der Verein Good Life in Africa das Vorhaben. Good Life in Africa wurde 2020 von Menschen aus verschiedenen afrikanischen Ländern gegründet, die seit Jahren in der Schweiz leben und lokale Projekte in Afrika unterstützen wollen. Der Verein arbeitet aus der Überzeugung heraus, dass nachhaltige Entwicklung von den betroffenen Gemeinschaften selbst geplant und umgesetzt werden muss. Hinzu kommen Partner vor Ort wie VDD für Identifikation, Vermessung und Begleitung der Flächen sowie forstfachliche Expertise, unter anderem durch Mamadou Oury Kobera Diallo. Sadou Bah übernimmt projektleitende Aufgaben in der Schweiz.
Projektgebiet und Umfang:
Das Vorhaben entstand zunächst für vier benachbarte Dörfer in der Region Roundebowal und wurde in der Pilotphase auf fünf Dörfer ausgeweitet. Im Fokus stehen die Umgebung von Wasserquellen und Wassereinzugsgebieten. In den Projektunterlagen ist von rund zwölf Wasserquellen, gut 65 Hektar Aufforstungsfläche und über 160’000 geplanten Bäumen die Rede. Ziel ist nicht nur die Pflanzung selbst, sondern die langfristige Wiederherstellung von Wasserhaushalt, Vegetation und landwirtschaftlicher Nutzbarkeit.
Teilprojekte:
Das Projekt kombiniert mehrere miteinander verbundene Maßnahmen. Erstens werden Drahtzäune installiert, die die bisher jährlich erneuerten Holzzäune ersetzen und damit den Druck auf die verbleibenden Wälder reduzieren. Zweitens werden Getreidemühlen eingeführt, um Frauen von zeitintensiver Handarbeit zu entlasten. Drittens entstehen Brunnen, Wasserhähne, Wassertanks und Tränken, um Haushalte und Tiere zuverlässiger mit Wasser zu versorgen. Im Dorf Roundebowal wurde bereits ein Brunnen mit solarbetriebener Pumpe realisiert. Viertens sind Obstbäume, Hecken und Bienenzucht als ergänzende Einkommens- und Ernährungsperspektiven vorgesehen. Fünftens bildet die eigentliche Aufforstung der Wassereinzugsgebiete den ökologischen Kern des Projekts.
Lokale Beteiligung:
Alle Menschen im Dorf sind an den einzelnen Projektteilen beteiligt. Sie übernehmen den Aufbau und die Wartung der Anlagen sowie das Pflanzen und Pflegen der Bäume. Genau diese Beteiligung ist Kern der Projektphilosophie: Die Bevölkerung ist nicht Empfängerin eines von außen entworfenen Programms, sondern Trägerin des Projekts. Auch die Mühlen und andere Infrastrukturen werden gemeinschaftlich organisiert; Beiträge für Nutzung und Unterhalt fließen in Reparatur und langfristige Funktionsfähigkeit.
Ökologie und Wiederaufforstung:
Gepflanzt werden einheimische Baumarten, die an die steinigen und nährstoffarmen Böden der Region angepasst sind, darunter Arten wie Afzelia africana und Carapa procera. Die Wiederaufforstung soll Erosion reduzieren, Böden stabilisieren, Verdunstung verringern und damit die Chance erhöhen, dass Quellen wieder länger oder ganzjährig Wasser führen. Aufforstung wird hier als Teil eines umfassenden Wasserschutz- und Regenerationsansatzes verstanden.
Projektphilosophie:
Good Life in Africa formuliert den Ansatz ausdrücklich als Gegenmodell zu externer Entwicklungshilfe, die außerhalb der lokalen Gemeinschaften konzipiert wird. Die Menschen vor Ort identifizieren die Probleme selbst, diskutieren praktikable Lösungen und tragen die Umsetzung. Schulung der Dorfbevölkerung – insbesondere der Frauen – ist integraler Bestandteil des Projekts. Dadurch wird Wiederaufforstung nicht als isolierte Umweltmaßnahme verstanden, sondern als gemeinschaftlicher Lern- und Organisationsprozess.
Perspektive:
Langfristig soll das Modell auf weitere Dörfer ausgedehnt werden. Bereits jetzt zeigen Nachbargemeinden Interesse, weil einzelne Maßnahmen sichtbare Verbesserungen bringen: weniger Holzeinschlag für Zäune, kürzere Wege zum Wasser, Zeitgewinn durch Mühlen, besser geschützte Anbauflächen und neue Erfahrungen mit gemeinschaftlicher Wartung. Das Projekt steht damit für einen sachlich organisierten, lokal getragenen Ansatz von Klimaresilienz in Mittelguinea.
