Abdulkadir ALI GAMBO
AHMED*
Aïcha MAHMAT AHMAT
Aldom KAINTAR
Anatol GUNKEL
Balki IBRAHIM
Christiane Gregor
Clayton Valentín CHÚPATE
Eldrydd SMITH
Elisabeth STERN
Esther ATEM
Hermione GATTIBE TABO
Janina RIVERA
KHAN*
KLAUS*
Manfred FETTHAUER
Martin WEIER
Matthias BELLWALD
Monika RUNKEL
Na-ndoara ZEIN FADEL
Paul SCHUMACHER
Polly DI
Sadou BAH
Sebastian MÜLLER
USMAN
Verbindet Migrationserfahrung, politische Selbstorganisation und Engagement für seine Herkunftsregion in Mittelguinea
Sadou Bah kam 2002 aus Guinea in die Schweiz und lebte nach der Ablehnung seines Asylgesuchs viele Jahre unter prekären Bedingungen. Aus dieser Erfahrung von Ausschluss und Entrechtung entstand für ihn kein Rückzug, sondern politisches Handeln: Er wurde Mitgründer und Leiter der Autonomen Schule Zürich. Als er Jahre später in seine Herkunftsregion in Mittelguinea zurückkehrte und austrocknende Wasserquellen, Abholzung und Landflucht sah, verband er seine politische Erfahrung aus Zürich mit einem neuen Engagement für die Dörfer seiner Kindheit.
Sadou Bah erzählt seine Geschichte als Verbindung von Exil, politischer Organisierung und Verantwortung gegenüber seiner Herkunftsregion. In Zürich wurde die Autonome Schule für ihn zu einem Ort kollektiver Selbstermächtigung gegen Entrechtung im Asylsystem. In Guinea erlebte er bei seiner Rückkehr eine Landschaft wieder, die sich tiefgreifend verändert hatte: Wälder verschwanden, Quellen trockneten aus, und viele junge Menschen verließen die Dörfer. Heute steht er zwischen diesen beiden Welten und begleitet ein Projekt, das Wiederaufforstung, Wasserschutz und gemeinschaftliche Infrastruktur miteinander verbindet.
Biografischer Ausgangspunkt:
Sadou Bah stammt aus Guinea und kam 2002 in die Schweiz, um Asyl zu suchen. Sein Gesuch wurde abgewiesen; viele Jahre lebte er unter prekären Bedingungen als abgewiesener Asylsuchender. Die fortschreitende Verschärfung des Asyl- und Ausländerrechts, der Ausschluss aus der Sozialhilfe und das Leben in permanenter Unsicherheit führten bei ihm nicht zu Resignation, sondern zum Protest. Aus dieser Erfahrung wurde er zu einer prägenden Stimme der Autonomen Schule Zürich.
Politische Organisierung in Zürich:
Für Sadou Bah wurde die Autonome Schule Zürich zu einem praktischen Gegenmodell gegen Ausgrenzung. Bildung, Sprache und politische Teilhabe werden dort nicht als staatliche Gabe verstanden, sondern gemeinschaftlich organisiert. Diese Erfahrung hat ihn geprägt: Lösungen entstehen aus kollektiver Organisierung, aus gemeinsamem Wissen und aus der Weigerung, Menschen zu bloßen Empfänger:innen von Hilfe zu machen.
Die Rückkehr nach Guinea:
Als Sadou Bah 2016 in die Region seiner Kindheit zurückkehrte – in die Gegend um Roundebowal und Koubia, nahe Labé in Mittelguinea –, erkannte er die Landschaft kaum wieder. Bergwald und Galeriewälder um die Wasserquellen waren weitgehend verschwunden. Frauen mussten lange Wege zum Wasser zurücklegen, Tiere und Menschen konkurrierten um die wenigen verbleibenden Wasserstellen, und viele junge Männer hatten die Dörfer bereits verlassen. Für ihn wurde sichtbar, wie sich Klimawandel, Abholzung, Bodenerosion, Verarmung und Migration gegenseitig verstärken.
Von der Beobachtung zur Verantwortung:
Entscheidend war für Sadou Bah, dass die Menschen vor Ort diese Veränderung zwar wahrnahmen, sie aber oft als langsamen Prozess erlebten und nicht als plötzliche Katastrophe. Über viele Gespräche hinweg entstand daraus ein gemeinsamer Suchprozess: Wie lässt sich Wasser schützen? Wie können Anbauflächen gesichert werden? Was entlastet die Frauen im Alltag? Wie wird aus einer ökologischen Krise ein Projekt, das die Menschen selbst tragen?
Seine Rolle heute:
Sadou Bah ist nicht einfach „Gründer“ eines Projekts von außen. Er bewegt sich zwischen Zürich und Mittelguinea und bringt unterschiedliche Erfahrungsräume zusammen: politische Selbstorganisation aus dem Exil, forstfachliches Wissen, die biografische Bindung an die Region und das Vertrauen der Dorfgemeinschaften. In der Schweiz wirkt er als Projektleiter für Good Life in Africa mit, organisiert Kommunikation und Mittelbeschaffung und begleitet die Entwicklung des Projekts. Vor Ort bleibt jedoch entscheidend, dass die Dorfbewohner:innen selbst Träger der Umsetzung sind.
Was seine Geschichte zeigt:
Sadou Bahs Geschichte macht sichtbar, dass Migration nicht nur Verlust und Bruch bedeutet, sondern auch neues Wissen und neue Handlungsmöglichkeiten hervorbringen kann. Die Erfahrung von Entrechtung in der Schweiz führte ihn zur politischen Organisierung; die Rückkehr nach Guinea machte daraus einen praktischen Ansatz für Klimaresilienz. So verbindet seine Biografie Migrationsgerechtigkeit, Bildung, ökologische Regeneration und gemeinschaftliche Verantwortung.
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